COVID-19

Stand 16. März 2020

 

Liebe Altenbergerin, lieber Altenberger!

Weltweit, in Österreich und auch speziell in Altenberg erleben wir derzeit eine dramatische Entwicklung, das „neue Coronavirus“ (COVID-19) betreffend.

Als Ihr Gemeindearzt und selbst Betroffener appelliere eindringlich an Sie, sich Ihrer ganz persönlichen Verantwortung in dieser Lage bewusst zu sein!

Weltweit gibt es höchst unterschiedliche Sterblichkeitsraten. Bitte seien Sie sich darüber im Klaren, dass hinter diesem technischen Begriff immer ein Sterben und Leid über den Tod von Angehörigen oder Freunden steckt. Jeder einzelne Fall, der verhindert werden kann, heißt für einen Menschen weiterleben!

Lebensbedrohend kann dieser Infekt  - das ist weltweit gleich – für ältere (60+), vorerkrankte Personen und Raucher werden. Auch „fitte Pensionisten“ gehören zur Risikogruppe, da sich mit zunehmendem Alter die Lunge verändert und dem Virus auch bei sonstiger Gesundheit eine Angriffsfläche bietet. Jüngere und Gesunde überstehen den Infekt in der Regel unproblematisch, können aber als Überträger die oben genannten massiv gefährden!

Es gibt momentan – und auch nicht in absehbarer Zeit – ein Medikament oder eine Impfung gegen COVID-19. Es ist auch davon auszugehen, dass uns diese Pandemie (weltweit gleichzeitig stattfindende Infektionskrankheit) zumindest bis Herbst beschäftigen wird und mehr als 2/3 der Menschen im Lauf der Zeit daran erkranken werden (Robert Koch Institut, Deutschland). Das lässt sich nicht verhindern.

DAS EINZIGE, WAS WIR MACHEN KÖNNEN IST, DIE DERZEITIGE RASANZ DER AUSBREITUNG MIT ALLEN MITTEL ZU VERZÖGERN!!!

Länder, die es geschafft haben, die Geschwindigkeit der Verbreitung einzubremsen, haben anteilsmäßig die wenigsten Toten, wie etwa Südkorea (0,7% aller Infizierten sterben).

Dort wo es durch fehlende oder verspätete Maßnahmen nicht gelungen ist, bricht die medizinische Versorgung aufgrund der Überlastung (zu viele schwer Kranke zur gleichen Zeit) und fehlender Intensivplätze zusammen. Menschen, die bei entsprechender ärztlicher Behandlung (Beatmung, Infusionen…) überlebt hätten, sterben in Gangbetten (Italien, 5% aller Erkrankten).

Nehmen Sie daher die aus medizinischer Sicht völlig zu Recht erlassenen Anweisungen der Regierung und Behörden ernst; glauben und verbreiten Sie keine sinnlosen Gerüchte.

  • Verlassen Sie Ihr Haus nur, wenn es unbedingt nötig ist (benötigte Berufe, Einkauf Lebensmittel und Medikamente, Hilfe für andere)
  • Achten sie auf regelmäßiges Händewaschen, Nieß- und Hustenetikette, ausreichend Abstand zu anderen Menschen
  • Schränke Sie jeden nicht notwenigen Sozialkontakt ein (auch keine „Kellerparties“ und ähnliches!)
  • Besonderen Schutz brauchen alle, die ein erhöhtes Risiko haben – vor allem die ältere Generation
  • (Klein) Kinder erkranken oft unbemerkt, können aber den Virus leicht weitergeben; bitte denken Sie daran (kein persönlicher Kontakt Enkerl-Großeltern)

 

Erlaube Sie mir noch ein paar allgemeine Anmerkungen:

Seit dem Ende des zweiten Weltkrieges hat es in Österreich noch nie so eine Situation gegeben; Einschränkung und Verzicht werden uns über einen längeren Zeitraum begleiten. Es wird daher auch nicht ausbleiben, die eigenen Prioritäten, Ansichten und Werte zu überdenken und gegebenenfalls neu zu definieren.

Aber – und das ist das wirklich Entscheidende: uns gemeinsam als Kollektiv kann es gelingen, solche Horrorszenarien, wie sie sich derzeit in Nachbarländern abspielen, zu vermeiden!

Es gibt in Zeiten der Not und Unruhe immer diejenigen - und es ist meiner Ansicht nach die Mehrheit -  die Verantwortung übernehmen, für andere da sind, helfen und unterstützen wo es nötig ist und ihre eigenen Bedürfnisse hinter das Gemeinwohl zurückstellen.  Ich selbst konnte im Rahmen des Hochwassereinsatzes 2013 erleben, wie sehr Menschen über sich hinauswachsen, wenn es gilt, anderen beizustehen.

Gemeinsam werden wir diese Krise durchstehen, bewältigen, und am Ende des Tages als Gesellschaft gestärkt daraus hervorgehen, davon bin ich zutiefst überzeugt.

Ich wünsche Ihnen und den Ihren für die nächsten Monate viel Gesundheit, Kraft, Mut und Zuversicht – und mir, dass ich bald wieder für Sie da sein kann!

Ihr Gemeindearzt, Thomas Pachinger

Grafik Verlauf mit und ohne Maßnahmen

Modellberechnung TU Wien, wurde auf Anfrage von Dr. Niki Popper zur Verfügung gestellt

Gäbe es keinen Maßnahmen, hätten wir in 2 Monaten laut Berechnung um die 2 Millionen gleichzeitig Erkrankte (rote Kurve); das Gesundheitssystem würde zusammenbrechen, die Mehrzahl schwerer Fälle könnten nicht mehr versorgt werden, es gäbe daher eine extreme Anzahl an Toten.

Greifen die Maßnahmen durch gemeinsames Vorgehen, so werden in Summe nicht weniger Menschen krank – aber nicht gleichzeitig (grüne Kurve)! Der Gipfel mit etwa 360.000 gleichzeitig Erkrankten ist im Sommer bzw. Herbst, hier ist eine angemessene Versorgung möglich und es ist auch noch mehr Zeit der Vorbereitung gegeben.

Die einzelnen Zahlen können geringgradig variieren, da es sich um komplexe Vorgänge handelt. In der Grundaussage ist das Modell aber jedenfalls zutreffend und absolut aussagekräftig.