Artikel Gemeindezeitung September 2021

Liebe Altenbergerin, lieber Altenberger!

Der Sommer geht zu Ende, und leider steigen – wie auch vor einem Jahr, diesmal aber schon deutlich früher – die Zahl der Infizierten. Anhand von Modellrechnungen wird davon ausgegangen, dass sich dieser Trend fortsetzen und die „vierten Welle“ auf uns zukommen wird.

In dieser Ausgabe der Altenberger Zeitung finden Sie einen ausführlichen Artikel zum Thema Impfung, und ich möchte Ihnen als Arzt, selbst Genesener und Geimpfter diese erneut nahelegen.

Bitte betrachten Sie die folgenden Zahlen (Österreich seit Beginn der Pandemie, Stand: 28.8.21; Quelle: ORF online; OOEN):

 

  • 683.219 positiv auf COVID-19 Getestete, davon 10.776 Todesfälle, entspricht 1,6 % aller Infizierten bzw. knapp zweimal der Altenberger Bevölkerung
  • 10.643.159 verabreichte Impfdosen, wenige Einzelfallberichte von in zeitlicher Nähe zur Impfung Verstorbener, wobei der direkte Zusammenhang oft nicht eindeutig ist

Um es klarzustellen: natürlich können nach einer Impfung kurzfristige Nebenwirkungen, wie Fieber, grippeähnliche Symptome oder auch länger andauernde wie Kopfschmerzen oder Abgeschlagenheit auftreten. Dass in absoluten Ausnahmefällen auch gravierendere Folgen auftreten können, ist ebenfalls möglich.

Sicher ist aber, dass die Folgen und „Nebenwirkungen“ von COVID-19 unverhältnismäßig schlimmer sind als jede Impfung.

Wäre die Impfung genauso gefährlich wie oder sogar noch schlimmer als die Erkrankung, was ja von manchen behauptet wird, müssten wir ausgehend von den obigen Zahlen inzwischen rein rechnerisch 168.000 Impftote haben – das ist aber eher nicht der Fall.

Es kann auch nicht als „Beweis“ für die vermeintlich große Gefahr gelten, dass eine geimpfte Person ein gesundheitliches Problem entwickelt. Halb Österreich ist inzwischen geimpft, und Krankheiten treten nun einmal auf, das war auch schon vor Corona so und hat sich nicht geändert.

Sollte es hier wirklich eine reale Gefahr durch die Impfung geben, so müsste das nach in Österreich über zehn Millionen (!) verabreichten Dosen wohl mehr als deutlich auffallen – tut es aber nicht.

Jeder medizinische Eingriff ist mit Risiken und Nebenwirkungen verbunden und sollte daher gut überlegt sein. So liegt die Sterblichkeitsrate bei einer Herzkatheteruntersuchung bei ca. 0,5%, was bedeutet, dass bei 200 Eingriffen ein Mensch stirbt. Daraus lässt sich aber keinesfalls ableiten, keine Katheteruntersuchungen mehr zu machen, da dies eine erhebliche Mehranzahl an Herzinfarkten und damit Todesfällen zur Folge hätte.

Jeder Einzelfall, jedes Schicksal - unter welchen Umständen auch immer - ist eine individuelle Tragödie und mit Leid verbunden, das ist mir als Arzt allzu gut bekannt. Dennoch macht es keinen Sinn, davon ausgehend nachweislich wirksame Behandlungen nicht durchzuführen.

Mittlerweise zeigt sich klar, dass (abgesehen von einigen wenigen Geimpften mit zumeist schweren Vorerkrankten) fast ausschließlich ungeschützte Menschen mit COVID-19 eine Spitals- bzw. Intensivbehandlung benötigen. Dieser Trend war vorhersehbar und wird in den nächsten Monaten, auch aufgrund der vermehrt auftretenden Mutationen des Virus, noch deutlich zunehmen.

Daher nochmals meine Bitte: nehmen Sie diese Krankheit ernst, schützen Sie sich und ihre Mitmenschen!

Ihr Gemeindearzt,

Thomas Pachinger